Materialismus

Materialismus, der – [lat. von „materia“- Ursache, Stoff.„…philosophische Lehre, die die ganze Wirklichkeit  (einschließlich Seele, Geist, Denken ) auf Kräfte od. Bedingungen der Materie zurückführt.“1; „die dem Idealismus entgegengesetzte Grundrichtung der Philosophie; umfasst alle Weltanschauungen und philosophischen Auffassungen, die im Gegensatz zum Idealismus davon ausgehen, das die -> Materie gegenüber dem -> Bewußtsein das Primäre, das Grundlegende, das Bestimmende ist, und damit die -> Grundfrage der Philosophie materialistisch beantworten.“2]

Materielle Weltsicht ist für mich die Erklärung der Entwicklung aller Vorgänge aus rein wissenschaftlichen Abfolgen in dialektischer Verknüpfung, ohne jegliche Götter oder anderer übernatürlicher Kräfte. Wenn heute noch die meisten Staaten, wenn auch rein formell, noch auf Religionen aufbauen oder sich daran angebunden fühlen, dann wird auch hier eine Form der Entfremdung erkennbar; lieber beugt sich der Mensch danieder, als das er selbst denkt und dies auch noch darstellt in seinem Umfeld. Auf der Basis der Dummheit, Verblendung, in dem Zustande der Drogen-(Opium-)gabe hält das Volk still und lässt sich eben auf dem Minimum von Menschenwert versklaven und entrechten.Genau deshalb ist diese Welt idealistisch, das Medienspektakel der neue Gott.

Die historisch- dialektische, materielle Weltsicht geht vom Primat der Materie aus. Materie ist, sie kann in verschiedensten Formen in Erscheinung treten. Sie ist auch Ursprung und Quell alles Lebens. Je höher die Lebensformen werden, um so mehr bilden sich Reflexe, Instinkte heraus bis hin zum Bewußtsein des Menschen. Dies kann aktiv auf die  Realität zurückwirken, lässt objektive Gesetze erkennen und Lebensprozesse beeinflussen. Hier liegt der Bereich der Selbstverwirklichung des Einzelwesens, wobei sowohl die Natur als auch die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse von großem Einfluß sind. Der Umgang mit Mitmenschen, den Tieren, der Natur an sich resultieren aus dieser Verwirklichung, das gegenwärtige Chaos ist Spiegelbild seiner Fehlleitung.

Eine solche wissenschaftliche Sicht in ihrer stetigen Weiterentwicklung muß als Weg erkannt werden, Entfremdung zu überwinden. Dabei spielen Faktoren wie Ethik, Moral, aber auch Ehrlichkeit und Menschenwürde eine große Rolle, auch dies sind keine Dogmen, sie entwickeln sich weiter mit dem Fortschritt an sich zu neuen, höheren Lebensqualitäten. Das geschieht keineswegs im Selbstlauf, es bedarf der Mitwirkung des Einzelwesens. Solche Qualitäten entstehen durch Anhäufung von Quantitäten, z.B. Frust über die Gegenwart, Politikverdrossenheit, Ausweglosigkeit vieler Menschen und können in die vielzitierte materielle Gewalt umschlagen, wenn ein Volk mit seinem Staat und den Verhältnissen nicht mehr einverstanden ist. Wird dann erkannt, das die ökonomischen Wurzeln die eigentliche Ursache und alle Politiker nur Marionetten sind, ist eine Revolution möglich, die neue Qualität hervorbringen kann. Eine weitere Voraussetzung dafür ist aber auch, das es positive, humanistische Alternativen gibt, sonst schlagen solche Veränderungen in das Gegenteil um, wieder in Chaos und Gewaltherrschaft.

Solche Alternativen auf materieller Basis beanspruchen die Verwirklichung von Begriffen wie Demokratie (als Herrschaft des Volkes), Humanismus (als Anspruch an menschliches Leben in wahrem Recht für alle Menschen, maximale Lebensbedingungen entsprechend dem Stand der gesellschaftlichen Erkenntnis und aller Möglichkeiten der freien Persönlichkeitsentfaltung, sowie würdigem Umgang mit der Natur). So wird Ethik zum konstruktiven Feld des täglichen Verwirklichens der Einzelmenschen in der Gesellschaft, Bildung und Gesundheit werden zum Gemeininteresse und an Politik knüpft sich der offene Disput der Völker für ein friedvolles Zusammenleben. Dann wird Frieden zur Normalität. Somit ist M. die erstrebenswerte Weltsicht der Massen, da dies die Entfremdung an sich aufhebt.

=>Ethik; =>Moral; => Entfremdung

ANDREAS KRÖDEL

Literatur: 1 „DUDEN – Das Fremdwörterbuch“ Bertelsmann 1990; 2 „Wörterbuch Philosophie und Naturwissenschaften“  Dietz 1983

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