1. Brief für 2008

1. Brief für 2008

Dezember 2007 

Nach meiner Ansicht ist die Zahl derjenigen Menschen, die dialektisch, analytisch denken, zu gering. Aus den Schriften der Philosophie lernen, logisch vorgehen, die Gegenwart betrachten und Schlüsse ziehen für eine bessere Zukunft, das leisten sich nur viel zu wenig Menschen.Zu groß ist auch all das oberflächliche Geflimmer, das über Medien hereinbricht in erschlagender Flut. Da sind eben die Liebesgeschichten der Promis oder die Affären der Schauspieler, die Allüren der Sternchen wichtiger als die Nachricht, das türkische Bomber Ziele im Irak angegriffen haben, wo Stellungen der PKK vermutet wurden und das natürlich mit Genehmigung der USA. Das ist völkerrechtswidrig und eine klare kriegerische Handlung, nicht die erste der Türkei. Erst hat man die Kinderkrippen in der DDR plattgemacht, jetzt sollen sie wieder eingeführt werden, unter anderem mit Mitteln des „Aufschwung Ost“. Angesichts der erschreckenden Meldungen über Vernachlässigung von Kindern, deren Elend bis hin zu Kindstötungen durch verzweifelte Mütter oder in der Gesellschaft verrohte Väter; will man den Schutz der Kinder in des Grundgesetz schreiben, allein dies ändert in keiner Weise etwas an den bestehenden Verhältnissen. Die zunehmende Massenverelendung, nicht nur finanziell, sondern auch geistig und kulturell, das bewusste Ausgrenzen von immer mehr Menschen aus jeglicher Teilnahme am Arbeitsprozess und damit indirekt vom gesellschaftlichen Leben; das sind Erscheinungen der gegenwärtigen Entfremdung, krasse Gegensätze in einem Land mit angeblichem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Profite der Industrie sind hoch wie selten zuvor, selbst der unersättliche Staatskoloß ist satt mit Steuern, aber der deutsche Autofahrer soll die Rettung des Weltklimas bezahlen.Irgendetwas ist faul, sagen die Leute auf der Straße oder im Einkaufsmarkt, wenn schon wieder Lebensmittel oder Energiepreise steigen, wo sollen wir den Ausgleich hernehmen, fragt meine Frau und ein Kegelfreund schimpft offen über die Verbrecher in Staat und Industrie, „Otterngezücht“ ist sein Schlagwort. Etwas ändern wollen die Meisten, aber sie haben keinen blassen Schimmer, wie und das ist das Gefährliche. Das bietet z.B. den Rechten viel Zulauf und Sympathie und es bereitet den Boden für Gewalt.Eine Freidenkerin sagte mir einmal: „Auch wir kommen doch über das Analysieren und Verurteilen nicht hinaus.“ Wir können all die Missstände auflisten, mit Beweisketten sichern, können Protestmails schreiben und Demonstrationen veranstalten, aber gehbare Lösungswege haben wir auch nicht. Die große Weltrevolution als Beginn einer humanistischen Ära auf der ganzen Welt, der große Traum vom Kommunismus, das alles ist so weit entfernt, die Theorie klingt so einfach, das eigentlich alle Menschen sofort mit der Umsetzung beginnen müssten. Zumindest ältere DDR- Bürger haben so etwas noch in der Schule gelernt.Jetzt mittels Reformen am alten Imperialismus herumzubasteln, ob Streikrecht oder Menschenrecht, alles ist doch schon ausgehöhlt, unterlaufen; das bringt kein wirkliches Vorwärts. Wir leben in einem verbeamteten Polizeistaat, der ist mit sich selbst beschäftigt, braucht das Volk nur zum Steuern abzocken; der Nazi – Aufmärsche schützt und für die Vernünftigen Wasserwerfer und Tränengas parat hat.Die Repressalien sind vielfältig und durch Notstandsgesetze „zur Bekämpfung des Terrorismus“ abgesegnet. Wenn wir die Rechte wieder zurückfordern, die einmal schon erkämpft worden sind, wäre das Ganze schon eher ertragbar, auch wenn klar ist, das erst die Beseitigung der ökonomischen Wurzeln und die völlige Zerschlagung des Staatsapparates Grundlagen schaffen kann, eine Zukunft an sich zu planen.Die Philosophie als „Liebe zur Weisheit“ kann uns da weiter helfen, wir müssen sie nur am Alltag reiben und prüfen. Auch wenn es nach Marx und Engels noch viele Philosophen gab und gibt, die meisten sind konsequent von dieser Theorie abgerückt, versuchen durch andere Gedankengänge und oft winklige Schachzüge wegzulocken von der echten Hauptaufgabe. Das ganze kapitalistische System ist aber so aufgebaut, das die Besitzer von Produktionsmitteln durch Ausbeutung der Arbeitskraft Profit erwirtschaftet, der ihn noch reicher macht, er kann noch mehr Produktionsmittel kaufen und wird noch reicher. Mit dem vielen Geld leistet er sich den Staat, der durch sein Handeln und seine Gesetze einen maximalen Profit absichert und den Reichtum schützt. Menschenwürde, Grundrechte interessieren da nicht, und wenn noch so viel Demokratie z.B. bei Wahlen gepriesen wird, die Menschen haben die Auswahl zwischen Imperialismus oder Imperialismus.Hat man diese wenigen theoretischen Ansätze begriffen, könnte eigentlich eine Handlung erfolgen, aber genau diese bleibt aus. Genau hier setzt meine Trauer, das Gefühl der Ohnmacht ein. Ich kann mit diesem kranken Körper und Geist einfach nicht mehr anfangen, als hier zu schreiben, was ich schon immer schreibe. Die Theorie ist klar, das Ziel, eine menschenwürdige Gesellschaft für alle Menschen der Erde durch deren freie Entfaltung, ist gesteckt.

Was nun kommen muß, ist die Initiative. 

Denkt darüber nach! 

Andreas Krödel

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